Heimat ist, wenn man dafür kämpft – Albrecht Rittmann sprach kürzlich in Honau über „Heimat“ – Südwest Presse 02.12.2016

Foto: IG „Rettet den Lichtenstein“

Vor dem Hintergrund der Ablehnung der Windkraftanlagen hinter Schloss Lichtenstein durch das Landratsamt Reutlingen hatte die Interessengemeinschaft Natur-, Arten- und Denkmalschutz „Rettet den Lichtenstein“ jetzt zu einem Treffen in die Schlossschenke beim Schloss Lichtenstein Freunde und Förderer eingeladen.

Ortsvorsteher Wilfried Schneider aus Honau begrüßte die anwesenden Unterstützer aus Politik, Verbänden und Kirche, die sich für den Schutz des Lichtensteins und der Heimat engagiert hatten, sowie die örtlichen Helfer. „Wir sind weit weg von einer Siegerlaune, aber wir fühlen eine grenzenlose Erleichterung“, so Wilfried Schneider.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch den Chor „Gospel Train“, dessen Lieder „Lift up your voice (Erhebt eure Stimme)“ und „Oh happy day“ das Thema des Tages hintergründig umrissen, heißt es im Pressebericht der Veranstalter. Der musikalisch exakte und dabei doch entspannte Auftritt des Chors mit der fulminanten Solistin Martina Weippert erntete verdientermaßen begeisterten Applaus.

Sabine Wälder aus Engstingen schilderte den Verlauf des Verfahrens. Habe man anfangs heftige Angriffe hinnehmen müssen, habe sich die öffentliche Meinung mit der Zeit ins Gegenteil verkehrt. Besonders habe geholfen, dass die maßgeblichen Informationen und Visualisierungen von der Interessengemeinschaft kamen und nicht vom Projektierer oder den Behörden. „Diesen „Ehrlichkeitsvorsprung haben wir über die gesamten zweieinhalb Jahre des Verfahrens halten können. Er hat letztlich zu 18 500 Einwendungen geführt, die zeigen, dass unser Anliegen nichts mit Querulantentum zu tun hat, sondern viele Menschen bewegt“, so Wälder. Wichtige Belange, über die man in der Euphorie der ersten Energiewendejahre hinweg gegangen sei, würden nunmehr wieder ernster genommen.

Mit dem Begriff der „Heimat“ setzte sich Dr. Albrecht Rittmann vom Schwäbischen Heimatbund auseinander. Der Begriff habe keine exakte Entsprechung in anderen Sprachen, er sei Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihrer Veränderung. Sei er früher bei einer homogenen Bevölkerung mit meist gleichförmigen Lebensverhältnissen einfach einzugrenzen gewesen, müsse er sich in einer globalisierten Welt mit ihren Wanderungsbewegungen und individualisierten Lebensformen auseinandersetzen.

Die Interessengemeinschaft Natur-, Arten- und Denkmalschutz tut sich mit der „Heimat“ vergleichsweise leicht. Für sie ist es, bei allen unvermeidlichen Anpassungen, die kulturelle und landschaftliche Identität der Umgebung, für deren Erhalt es sich zu kämpfen lohnt. Oder umgekehrt: „Wenn man dafür kämpft, ist es Heimat“. swp

Günther Bentele liest auf Schloss Lichtenstein am 09.10.2016

Gut aufgelegter Autor vor freundlichem Publikum

 

Günther Bentele liest auf Schloss Lichtenstein

 

Einen gut gelaunten, schlagfertigen und souveränen Günther Bentele erlebten die Zuhörer im voll besetzten Standesamtssaal des Gerobaus auf Schloss Lichtenstein am vergangenen Sonntag.

Der pensionierte Studiendirektor aus Bietigheim erwarb sich Renommee durch sein Engagement für die Erhaltung der Altstadt von Bietigheim sowie als Sachautor von Werken zur Regionalgeschichte, und Landeskunde. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist er durch Jugendbücher und historische Kriminalromane. Zur Lesung eingeladen hatten Schloss Lichtenstein und die örtliche Interessengemeinschaft Natur-, Arten- und Denkmalschutz „Rettet den Lichtenstein“.

 

Der Kriminalroman „Albspargel“ spielt in Tigerfeld auf der Zwiefalter Alb, ein Ort, den der Autor aus seiner Kindheit gut kennt. Die dichterische Handlung erzählt von realen Orten und Personen, die zwar fiktiv sind, bei denen man aber nicht überrascht wäre, wenn sie um die nächste Ecke kämen. Der Roman zeigt die Verwerfungen, die gemeinhin mit der Diskussion um die Errichtung von Windkraftanlagen verbunden sind: Das ehrliche Bemühen um wirtschaftliche Entwicklung, die Aussicht auf Gewinn, Verflechtungen und Risse in der Dorfgemeinschaft und die hilflosen Versuche der Objektivierung von Nutzen und Schaden. Und die heimlichen Gedanken der Hauptfigur der Erzählung, eines mit der Ermittlung der Windsituation beauftragten Wissenschaftlers, die Windräder als Strafe für früher erlittenes Unrecht über das Dorf zu bringen.

 

Der herzliche Beifall der Zuhörer galt im gleichen Maß dem Autor, dessen Buch die akribische Vorbereitung erkennen lässt, und dem Mann, der die Schätze und Werte der Heimat beschreibt

Auf den Lichtenstein, erklärte der Autor, sei er gerne und neugierig gekommen. Schon als Kind, bei der Fahrt mit der Zahnradbahn, sei ihm der Lichtenstein als Landmarke und selbstverständlicher Bestandteil der Heimat vorgekommen. Und außerdem, in den 1920 iger Jahren des letzten Jahrhunderts, sei die Tante „im Dienst“ auf dem Schloss gewesen. Sie habe dort ein Wertgefühl mitgenommen und das Kochen habe sie auch gelernt, und zwar gut. Die „Tante-Anna-Suppe“ wird im Hause Bentele noch heute gereicht.

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