Gemeinde fordert weitere Windmessung GEA v. 27.04.2017

GOMADINGEN. Es hätte als Formsache rasch abgehakt werden können. Stattdessen machte Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz die Stellungnahme der Kommune zum Regionalplan Windkraft zum politischen Thema. Mit ausführli­cher Präsentation und kontroverser Debatte dokumentierten Rathauschef und Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Dienstagabend einen differenzierten Umgang mit dem Aufregerthema. Die Dis­kussion mündete in einen ebenfalls diffe­renzierten Beschluss: Die Gemeinde Gomadingen stimmt dem Vorranggebiet Planwald – dem einzigen verbliebenen möglichen Standort auf ihrer Gemarkung – nur unter Vorbehalten zu.

Dass die Energiewende gewünscht wird und auch die Windkraft beim Atom­ausstieg helfen soll, haben Gomadingens Kommunalpolitiker in den vergangenen Jahren nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten bekräftigt. Betz erinner­te an den zusammen mit Münsingen und Mehrstetten aufgestellten Flächennut­zungsplan, der auf Gomadinger Gebiet die benachbarten Standorte Planwald und Eichberg als Konzentrationszonen für die Windenergie benennt. Damit wird gleichzeitig ausgeschlossen, dass anders­wo Windräder gebaut werden.

Parallel zur Flächennutzungsplanung
der Kommunen hat auch der Regionalver­band Neckar-Alb seine Windkraftpla­nung weiterentwickelt. War im ursprüng­lichen Konzept – wie Betz kritisch anmerkte – die »Bevölkerung mit allen möglichen Windkraftstandorten schalu gemacht« worden, so sind inzwischen in allen drei Landkreisen noch acht Vorrang­gebiete übrig geblieben, darunter der Gomadinger Planwald. Warum der im Flächennutzungsplan festgelegte Eich­berg in der Regionalplanung nicht eben­falls genannt ist, wusste Betz auf Siegbert Hossingers Frage nicht zu sagen.

»Die Bevölkerung wurde mit allen möglichen Standorten schalu gemacht«

Im kleinen Gebiet Planwald sind laut Regionalverband maximal drei Wind­kraftanlagen denkbar, womit der Standort an der alleruntersten Grenze liegt. Was die dort zu erwartende Windstärke betrifft, geht die Regionalplanung von 5,75 bis 6 Metern pro Sekunde auf einer Nabenhöhe von 140 Metern aus – auch das nach bisherigem Stand an der unteren Grenze der Wirtschaftlichkeit. Betz: »Dicke fette Leistung gibt’s erst über 6 Meter.«

Ob diese Wirtschaftlichkeitsgrenze am Planwald überhaupt erreicht wird, stellte Gomadingens Bürgermeister infrage. Denn auf dem nahe gelegenen Eichberg wurde bei sechsmonatigen Messungeh nur eine durchschnittliche Windge­schwindigkeit von 5,72 Meter pro Sekun­de registriert. Deshalb will die Gemeinde Gomadingen ihre Zustimmung zum Standort Planwald davon abhängig machen, ob eine Windmessung direkt auf dieser Fläche bessere Ergebnisse bringt. Weitere Bedingung: Mögliche Rotmilan­horste im dortigen Staatswald müssen kartiert und als-unbedenklich für den Bau von Windrädern eingestuft sein.

Diesem Beschlussvorschlag des Bür­germeisters folgten die Gemeinderäte in großer Mehrheit. Eine Gegenstimme kam von Karl-Wilhelm Rohm, der als Landes­vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bei Windkraftstandorten mitten im »kostbaren Gut Wald« an die Wirtschaftlichkeit höhere Maßstäbe anle- gen will. Eine Enthaltung kam von Philipp Hirrle, der den Standort – grünes Licht in Sachen Milan vorausgesetzt – lieber ohne Einschränkung freigegeben hätte. Die Wirtschaftlichkeit prüfe ein Investor schon aus Eigeninteresse selbst. Diese Meinung teilte Rüdiger Deuschle: »Man kann nicht überall Nein sagen«, zumal der Standort Planwald an sich vergleichswei­se verträglich sei.

»Man kann nicht überall Nein sagen zur Windkraft«

Bernd Strasser gab zu bedenken, dass sich durch effizientere Generatoren und andere Weiterentwicklungen die Wirt­schaftlichkeit von Windkraftanlagen »immens erhöhen« werde. Deren Prüfung wollte freilich die Mehrheit des Gremiums nicht allein möglichen Investoren über­lassen. »Glasklare Messwerte« sind für Dr. Albrecht Schmid die Voraussetzung für eine Zustimmung, schon um »Bauruinen« zu vermeiden. Michael Simmendinger erinnerte an »nicht solide Projekte« in der Energiewirtschaft: »Es gibt auch böse Menschen.« Siegfried Leuze und Andreas Link unterstützten die Forderung nach zusätzlichen Messungen ebenfalls, (dew)